Eine Gliedertaxe ist eine standardisierte Bewertungstabelle der privaten Unfallversicherung, die für jeden Körperteil und jedes Sinnesorgan einen festen Invaliditätsgrad in Prozent festlegt. Sie bestimmt, wie viel Entschädigung Sie bei Verlust oder Funktionsbeeinträchtigung erhalten – berechnet aus dem Invaliditätsgrad multipliziert mit Ihrer Versicherungssumme. Da es keine gesetzliche Standardtabelle gibt, unterscheiden sich die Gliedertaxen zwischen Versicherern teilweise erheblich.
Wie die Gliedertaxe die Leistungsberechnung bestimmt
Jedes Körperteil erhält in der Gliedertaxe einen prozentualen Wert für den Totalverlust. Typischerweise liegen die Bewertungen etwa so: Auge oder Ohr (je ca. 30–50 %), Arm (ca. 70 %), Daumen (ca. 20 %), Finger (ca. 10–15 %), Fuß (ca. 50 %), Zehe (ca. 5–10 %). Verlieren Sie beispielsweise den Daumen mit einer taxierten Quote von 20 % und einer Versicherungssumme von ca. 100.000 Euro, erhalten Sie ca. 20.000 Euro Leistung.
Wichtig: Teilschädigungen werden proportional berücksichtigt. Besteht nach einem Unfall eine 50-prozentige Funktionsbeeinträchtigung des Daumens, sinkt die Leistung auf ca. 10.000 Euro. Diese rechnerische Transparenz ermöglicht objektive Schadensregulierung, erfordert aber Achtsamkeit bei der Tarifwahl – besonders für beruflich exponierte Körperteile.
Große Unterschiede zwischen den Versicherern
Versicherer handhaben ihre Gliedertaxen unterschiedlich großzügig. Ein Versicherer kann die Hand mit 65 % bewerten, ein anderer mit nur 55 %. Für Berufskraftfahrer, Handwerker, Sportler oder medizinisches Personal macht diese Differenz im Schadensfall tausende Euro aus. Moderne Tarife 2026 bieten zusätzlich die Möglichkeit, bestimmte Körperteile durch Zusatzoptionen höher einzustufen. Achten Sie auch auf Zusatzleistungen wie Kosmetikkosten, Rehabilitation, Prothesen oder psychologische Unterstützung – diese sind nicht in jeder Gliedertaxe enthalten.
Checkliste: So wählen Sie die beste Gliedertaxe
- Identifizieren Sie Ihre beruflich und privat exponierten Körperteile (Hände bei Handwerkern, Augen bei Fahrern, Ohren bei Musikern)
- Vergleichen Sie konkret die Prozentsätze dieser Körperteile zwischen mindestens 3–5 Versicherern
- Prüfen Sie, ob die Versicherung Gliedertaxe-Erhöhungsoptionen anbietet
- Berücksichtigen Sie Zusatzleistungen: Kosmetik, Narbenentstellung, Rehabilitation, psychologische Betreuung
- Wählen Sie eine angemessene Versicherungssumme (ca. 250.000–1.000.000 Euro, je nach Einkommen und Risikoprofil)
- Nutzen Sie Versicherungsvergleiche speziell für Ihre Berufsgruppe
- Fragen Sie nach der genauen Gliedertaxe-Tabelle des Tarifs – nicht jeder Versicherer stellt diese freiwillig zur Verfügung