Fachlich geprüft mit Blick auf die sechs Begutachtungsmodule und ihre Gewichtung, die Punktschwellen der Pflegegrade und die Leistungsbeträge 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Pflegegrad ergibt sich aus 6 gewichteten Modulen (Selbstversorgung allein 40 %) mit 0–100 Punkten nach § 15 SGB XI.
- Die Schwellen: ab 12,5 Punkten Pflegegrad 1, ab 27 Pflegegrad 2, ab 47,5 Pflegegrad 3, ab 70 Pflegegrad 4, ab 90 Pflegegrad 5.
- Von den Modulen „geistige Fähigkeiten” und „Verhaltensweisen” zählt nur der höhere Wert – wichtig bei Demenz.
- Pflegegeld 2026: 347 bis 990 € je nach Grad; Sachleistung bis 2.299 € – eingefroren bis mindestens 2028.
- Verbindlich ist die MD-Begutachtung; der Rechner liefert die Orientierung und zeigt, wie knapp Sie an der nächsten Schwelle liegen.
Stand: Juli 2026 · Werte für das Kalenderjahr 2026
Der Pflegegrad wird nicht nach Diagnose vergeben, sondern nach Selbständigkeit: Der Medizinische Dienst bewertet sechs Lebensbereiche, gewichtet sie zu einer Punktzahl von 0 bis 100 – und ab 12,5 Punkten beginnt Pflegegrad 1, ab 90 Punkten gilt Pflegegrad 5. Mit dem Rechner schätzen Sie in zwei Minuten ein, welcher Pflegegrad realistisch ist und welche Leistungen 2026 dahinterstehen.
Pflegegrad berechnen
Schätzen Sie für jeden der sechs Begutachtungsbereiche ein, wie selbständig die pflegebedürftige Person ist – der Rechner gewichtet Ihre Angaben wie der Medizinische Dienst.
Orientierungsrechner nach dem Gewichtungsmodell des § 15 SGB XI (Module und Schwellenwerte des Neuen Begutachtungsassessments). Vereinfachung: Der Schweregrad je Modul wird hier selbst eingeschätzt, während der Medizinische Dienst ihn aus vielen Einzelkriterien ermittelt – das Ergebnis kann daher abweichen. Verbindlich ist allein der Bescheid der Pflegekasse nach der MD-Begutachtung. Leistungsbeträge Stand 2026.
Wie wird der Pflegegrad ermittelt?
Seit 2017 gilt das Neue Begutachtungsassessment (NBA): Nicht der Zeitaufwand der Pflege zählt, sondern wie selbständig jemand seinen Alltag bewältigt. Sechs Module fließen mit fester Gewichtung ein – die Selbstversorgung (Waschen, Ankleiden, Essen) macht allein 40 Prozent aus. Eine Besonderheit: Von den Modulen 2 (geistige Fähigkeiten) und 3 (Verhaltensweisen) zählt nur das höher bewertete – so werden Demenzerkrankte gleichwertig berücksichtigt.
| Modul | Gewichtung |
|---|---|
| 1 – Mobilität | 10 % |
| 2 oder 3 – Geistige Fähigkeiten / Verhaltensweisen (der höhere Wert) | 15 % |
| 4 – Selbstversorgung | 40 % |
| 5 – Umgang mit Krankheit und Therapie | 20 % |
| 6 – Alltagsleben und soziale Kontakte | 15 % |
Ab wie vielen Punkten gilt welcher Pflegegrad?
| Gewichtete Punkte | Pflegegrad | Pflegegeld 2026 | Pflegesachleistung 2026 |
|---|---|---|---|
| 12,5 bis unter 27 | Pflegegrad 1 | – (Entlastungsbetrag 131 €) | – |
| 27 bis unter 47,5 | Pflegegrad 2 | 347 € | bis 796 € |
| 47,5 bis unter 70 | Pflegegrad 3 | 599 € | bis 1.497 € |
| 70 bis unter 90 | Pflegegrad 4 | 800 € | bis 1.859 € |
| 90 bis 100 | Pflegegrad 5 | 990 € | bis 2.299 € |
Die Beträge sind seit 2025 unverändert und bleiben nach aktueller Gesetzeslage bis mindestens 2028 eingefroren – während die realen Pflegekosten weiter steigen. Genau diese Schere macht die private Vorsorge so wichtig.
Warum weicht die Begutachtung oft von der Selbsteinschätzung ab?
Der Medizinische Dienst bewertet jedes Modul anhand vieler Einzelkriterien – und erlebt die Person oft an einem „guten Tag”. Drei Dinge verbessern die Trefferquote: ein über mindestens eine Woche geführtes Pflegetagebuch, die Anwesenheit einer vertrauten Pflegeperson beim Termin, und die Schilderung eines typischen statt des besten Tages. Fällt der Bescheid trotzdem zu niedrig aus, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen – bei grenznahen Punktwerten lohnt das besonders häufig.
Praxisbeispiel: Wenige Punkte entscheiden
Kommt der gewichtete Gesamtwert auf 48 Punkte, ist das Pflegegrad 3 (Schwelle 47,5) – bei 46 Punkten wäre es nur Pflegegrad 2. An solchen Schwellen entscheiden wenige Punkte über hunderte Euro: Das Pflegegeld reicht 2026 von 347 € (Grad 2) bis 990 € (Grad 5).
Warum bei Demenz nur der höhere Wert zählt
Von den Modulen „geistige und kommunikative Fähigkeiten” und „Verhaltensweisen” fließt nur der jeweils höhere Wert in die Wertung ein – das verhindert eine Doppelzählung, ist aber gerade bei Demenz entscheidend, weil dort oft beide Bereiche betroffen sind. Reicht die gesetzliche Leistung nicht, schließt eine Pflegezusatzversicherung die Lücke.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Pflegegrad ist bei Demenz realistisch?
Das hängt von der Selbständigkeit im Alltag ab. Durch die Sonderregel, dass von den Modulen 2 und 3 der höhere Wert zählt, erreichen Menschen mit Demenz aber auch ohne große körperliche Einschränkungen oft Pflegegrad 2 oder 3.
Ab wie vielen Punkten bekommt man Pflegegrad 2?
Ab 27 gewichteten Punkten. Pflegegrad 2 ist die wichtigste Schwelle, denn erst ab hier gibt es Pflegegeld (347 Euro) und Pflegesachleistungen (bis 796 Euro).
Kann ich Pflegegeld und Pflegedienst kombinieren?
Ja, über die Kombinationsleistung: Nutzen Sie etwa 60 Prozent der Sachleistung über einen Pflegedienst, erhalten Sie noch 40 Prozent des Pflegegelds. Die Aufteilung können Sie an Ihre Situation anpassen.
Was zählt bei der MD-Begutachtung am stärksten?
Die Selbstversorgung mit 40 Prozent Gewichtung – Waschen, Ankleiden, Essen und Trinken, Toilettengang. Wer hier erhebliche Hilfe braucht, kommt fast immer über die Pflegegrad-2-Schwelle.
Wie schnell muss die Pflegekasse entscheiden?
In der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang. Leistungen gibt es rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung – stellen Sie den Antrag deshalb früh und formlos.
Reichen die gesetzlichen Leistungen für ein Pflegeheim?
Nein. Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil liegt im ersten Jahr oft über 2.500 Euro monatlich – trotz Leistungszuschlägen. Diese Lücke deckt nur privates Vermögen, Angehörige oder eine Pflegezusatzversicherung.
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